Naloxon zum Überleben
Zusammen mit dem Kontaktladen Janus haben wir als Aidshilfe Tübingen-Reutlingen auf dem Tübinger Sternplatz eine Gedenkveranstaltung mit Musik, Beiträgen, Kaffee, Kuchen und einer Luftballon-Aktion am 21. Juli organisiert. Mit mehr als fünfzig Besucher*innen – die meisten Drogenkonsument*innen – war die Veranstaltung sehr gut besucht. Aidshilfe-Mitarbeiter Thomas Pfister hat vor der Luftballon-Aktion in seinem Redebeitrag die Namen der acht verstorbenen Drogenkonsumenten des vergangenen Jahres verlesen. Diese Verstorbenen, deren Tod teilweise zumindest hätte vermieden werden können, sind auch der Grund für die aktuelle Naloxon-Initiative der Aidshilfe Tübingen. Naloxon ist ein wichtiger Baustein zur Verhinderung von Toten bei Drogenunfällen. In den Naloxon-Workshops werden Drogenkonsument*innen in der Anwendung des Überdosierungsmedikaments Naloxon eingewiesen. Ca. hundert Drogenkonsument*innen in der Region, so Thomas Pfister, haben diese Schulungen bereits durchlaufen und im Anschluss ein Nasenspray bekommen. Bei der Gedenkveranstaltung konnten sich die Besucher*innen mit individuellen Überlebensbotschaften fotografieren lassen.
Der Sternplatz in Tübingen als Ort ist bewusst gewählt: der zentrale Platz ist ein wichtiger Treffpunkt für Menschen mit Drogenproblemen, aber auch ein beliebter Ort für viele andere Tübinger*innen.
Das Orgateam des Gedenktages

Wie in den vergangenen Jahren veranstaltete die Jugend- und Drogenberatung, zum 21.Juli eine Gedenkaktion, um öffentlich auf das Thema „Drogentot“ auch in Rheine aufmerksam zu machen.
Im Vorfeld hatte die Presse einen Bericht zum Tag und zum Thema der Veranstaltung veröffentlicht.

„Gedenken und Protest vor der drobs Halle am Franckeplatz“
Neben unseren Infoständen gab es für neugierige PassantenInnen die Möglichkeit, sich zur Thematik auf unserer Bodenzeitung anonym und kritisch zu äußern.
Alex, Andreas, Felix… „ während die Geräusche der Stadt zum Windmühlenberg zwischen Oker, Schienen und Straße heraufwehen, liest Pfarrer Henning Böger Namen vor, die auf Holzkreuzen stehen. Menschen, die zwischen dem 21. Juli 2019 und dem 21.Juli 2020 im Zusammenhang mit Drogenkonsum gestorben sind.
, … Mirco, Carsten … „ Es ist nicht nur eine Auseinandersetzung um die richtigen Worte, es ist auch eine um die richtige Strategie. ,JES“ heißt eine der Organisationen, die heute den FreiluftGottesdienst der St.MagniGemeinde mit ausrichten, in deren Beritt der Windmühlenberg als Brennpunkt der Drogenszene liegt.

26 Menschen, davon 23 Männer und 3 Frauen starben 2019 offiziell in Thüringen an den Folgen des illegalisierten Drogenkonsums. Wir gehen jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus.
In Mannheim verstarben seit dem letzten Gedenktag 9 Personen an den direkten und indirekten Folgen ihres Drogenkonsums. Der 21. Juli ist nicht nur ein Tag des Gedenkens und des Trauerns, sondern auch ein Tag, um öffentlich auf die Folgen des Drogenkonsums hinzuweisen.
Die Konkordienkirche und der Drogenverein Mannheim e.V. luden am 21. Juli um 11 Uhr zu einem Gedenkgottesdienst ein. Natürlich stand die Kirche an diesem, wie auch an allen anderen Tagen im Jahr, für alle Menschen offen! Pfarrerin Anne Ressel erinnerte gemeinsam mit einem Imam von der Yavuz Sultan Moschee an die Verstorbenen. Im Anschluss an den Gottesdienst gingen wir mit Interessierten in den Dialog und thematisierten, unter welchen meist unwürdigen Bedingungen Drogengebraucher_innen leben und sensibilisierten dafür, dass das Thema Drogentod leider immer präsent ist. Auch in der Neckarstadt West wurde der Verstorbenen gedacht. Die Kirchenglocken der Lutherkirche läuteten von 10:55 bis 11:00 als Zeichen der Anteilnahme.
Seit neun Jahren begeht das Café Kick diesen Gedenktag. Das vom Caritasverband seit 1994 unterhaltene Café im Caritas-Gebäude am Westgraben ist Treffpunkt für Drogenabhängige und Rekonvaleszenten im Methadon-Programm sowie Anlaufstelle für illegale Drogen konsumierende Bürger. Zum Gedenken an die bisherigen über 90 Drogentoten von den 1970er-Jahren bis heute ist im Café ein Gedenkbaum aufgestellt mit Blättern, die mit Namen versehen sind und an die Drogentoten erinnern (Foto).
tionen hinaus eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit zu erreichen.

Sichtlich emotional verliest Angelika May-Norkauer von prop e.V. die 53 Vornamen der im vergangenen Jahr verstorbenen Drogengebraucher*innen. Ob selbst Konsumierende*, Angehörige oder Sozialarbeiter*innen in der Suchthilfe – viele der Namen sind den am Marienplatz versammelten Menschen bekannt. Hinter den politischen Forderungen steckt die jahrelange Erfahrung, welche Auswirkungen Marginalisierung auf Drogengebraucher*innen hat. Jörg Gerstenberg prangert den oft gefühlten Zynismus in der Drogendebatte an: „Es steht einer offenen und humanen Gesellschaft nicht an, so über Menschen zu reden. Jedes Leben zählt!“ Nach Ende einer Schweigeminute wendet sich Olaf Ostermann, Stellvertretender Bereichsgeschäftsführer bei Condrobs e.V., an die versammelten Drogengebraucher*innen: „Passt auf euch auf. Ich möchte euch alle hier nächstes Jahr wieder sehen!“ Er weiß, viele Drogentode könnten er und seine Mitarbeiter*innen mit einem Umschwung in der bayerischen Drogenpolitik verhindern.
Maskenpflicht, Abstandsmarkierungen und Co hielten uns jedoch nicht davon ab, mit unseren Forderungen an die Öffentlichkeit zu gehen, Präsenz zu zeigen und jedem Verstorbenen* eine Stimme zu geben. Nach vorangegangenen Überlegungen ob und wie man in diesem Jahr überhaupt eine Veranstaltung abhalten kann, sehen wir nun dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Zum ersten Mal hielt eine Bürgermeisterin Münchens das Grußwort und zeigte sich dabei den Betroffenen, uns Mitarbeiter*innen der Suchthilfe und Angehörigen nicht nur sehr wertschätzend, sondern auch äußerst dankbar. Auch über Ihr Angebot der Unterstützung freuen wir uns sehr und bleiben im Gespräch. Durch die vielen Pressevertreter*innen vor Ort konnten wir mit unseren Forderungen in diesem Jahr zudem auch hohe mediale Aufmerksamkeit erzeugen. Und so bleibt am Ende der Veranstaltung wieder einmal die Hoffnung, dass unser Apell an die bayerische Staatsregierung vielleicht doch noch irgendwann einmal Gehör findet.
BONN
Deshalb haben wir dieses Jahr Medaillons/Amulette verteilt, so dass die Community hier ein Bild einer verstorbenen Freundin oder Angehörigen und eines verstorbenen Freundes oder Angehörigen einfügen konnte. Diese Idee kam sehr gut in der Szene an.
Das Projekt „Berlin Mitte – Stadt für Alle“ von Fixpunkt e.V., beging den diesjährigen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am Leopoldplatz. In enger Zusammenarbeit mit dem sozial-ökologischen Gemeinschaftsgarten himmelbeet, war es ein Zusammenfinden des Protestes, der Aktion und der Trauer mit vielen Kooperationspartner*innen im Kiez.
Passend zum Motto des Gedenktages, „Wohnraum, soziale und medizinische Hilfen müssen ein Menschenrecht sein“, war die Verdrängung am Leopoldplatz eines der bestimmenden Themen der Veranstaltung. So wie die jeweils dort angesiedelten himmelbeet sowie Drogen- und Suchtberatungsstelle Frauenladen in kürze davon betroffen sein wird, kam es bereits im Juni zu einer Räumung von Schlaflagern obdachloser, drogenkonsumierender Menschen im Kiez. Letztere trifft die Verdrängung aufgrund des brüchigen Hilfesystems, von mangelnden passenden Notschlafstellen sowie der repressiven Drogenpolitik besonders hart. Dabei zeigten andere Länder schon längst, dass es bspw. Heime und Notübernachtungen geben kann, in welcher der Gebrauch von illegalisierten Substanzen möglich ist. So z.B. die Mentlvilla in Innsbruck, Österreich. Dieser Ansatz wurde in Berlin zwar aufgrund der Corona-Krise diskutiert, aber nicht umgesetzt.
Im Rahmen des Internationalen Gedenktages organisierte die I.G.edenkstein Leipzig – eine Initiative von Angehörigen, Freund*innen, (ehemaligen) Konsument*innen und Sozialarbeiter*innen – jährlich am 21. Juli Veranstaltungen, um der Menschen zu gedenken, die an ihrem Drogenkonsum oder dessen Folgen verstorben sind. Den Akteur*innen war es ein wichtiges Anliegen, einen festen Ort zu schaffen, um an die Betroffenen zu erinnern und der den Angehörigen einen Platz und Zeit für ihre Trauer bietet. Zu diesem Zweck arbeitete die I.G.edenkstein seit über fünfzehn Jahren darauf hin, einen Gedenkstein für diese Menschen zu errichten.
Durch Benefizaktionen am jährlichen Gedenktag konnten in den vergangenen Jahren Spenden zur Finanzierung des Steines eingeworben werden. Mit Hilfe eines Steinmetz wurden Ideen für den Gedenkstein entwickelt und umgesetzt.
In seinem Grußwort betonte der Sozialbürgermeister Prof. Dr. Thomas Fabian: „Mit der Errichtung eines Gedenksteins in Leipzig wurde nun nicht nur ein Ort der Erinnerung und der Trauer geschaffen, sondern auch ein „Stein des Anstoßes“. Der Stein soll und wird uns zum Nachdenken anstoßen über unseren Umgang mit konsumierenden und drogenabhängigen Menschen. Sie verdienen gesehen und beachtet zu werden.