Frau Beate Stör
Es ist mir eine Ehre und ich empfinde es als große Wertschätzung die Schirmherrschaft für den diesjährigen internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende übernehmen zu dürfen.
Im März 2013 habe ich das allererste Mal vom internationalen Gedenktag erfahren. Der von mir sehr geschätzte Dr. Ulmer bekam in Wuppertal den Ginkopreis verliehen und wir, mein Sohn Bertram, zu dieser Zeit substituiert, Renate Auer, zu dieser Zeit Vorsitzende der Bad.-Württembergischen Landesvereinigung der Elternkreise, und ich durften ihn zu dieser Veranstaltung begleiten. Dieser Kontakt mit JES und der Idee einen Gedenktag auch bei uns in Leutkirch im Allgäu zu veranstalten ließ mich nicht mehr los. Da hat mein Sohn Bertram noch gelebt. Vor 6 Jahren ist er leider an einer Überdosis Fentanyl verstorben.
Dass mir später, eben aus dieser eigenen Betroffenheit heraus, die Gedenkfeier für verstorbene Drogengebrauchende ein ganz wichtiger Termin in meinem Jahresverlauf sein wird wusste ich zu dieser Zeit noch nicht.
Seit 2013 veranstalten wir nun schon jedes Jahr unsere Gedenkfeier. Auf unterschiedlichen Plätzen und seit dem 21. Juli 2021 an unserem Gedenkstein für alle Menschen die viel zu früh von uns gegangen sind. Die gestorben sind, weil die Drogenpolitik in unserm Land durch die Gesetzgebung verantwortlich ist am Tod so vieler, teils blutjungen Menschen.
Zurück bleiben fassungslose Eltern und Geschwister, die alleine gelassen werden in ihrer Trauer. Die mit Stigmatisierung und Diskriminierung fertig werden müssen. Eltern bekommen Sätze zu hören: „Das Leben geht weiter“ und „Nun ist es mal gut“ oder ähnliches. Geschwisterkinder werden in ihrer Trauer alleine gelassen, oft auch, nicht absichtlich, von den Eltern, die in ihrer eigenen Trauer, die Trauer des Geschwisterkindes nicht wahrnehmen. Den Geschwisterkindern habe ich das Gedicht: „Du bist gegangen“ gewidmet. Die 1. Vorsitzende unserer Landesvereinigung, Heike Mohrmann, hat als betroffene Mutter, ihr Sohn Tim wurde ebenfalls Opfer seiner Suchterkrankung, diese Not trauernder Eltern erkannt -sie hat sie ja selbst durchlitten, unter dem Dach der LV die AG Trauer „füreinander da“ ins Leben gerufen. Mittlerweile haben sich 29 trauernde Mütter und Väter dieser AG in Baden-Württemberg angeschlossen. Dort finden verwaiste Eltern und Geschwister – mittlerweile ist eine Gruppe für Geschwisterkinder entstanden – Raum für ihre Trauer. Wir spüren, wir sind nicht alleine. Und – es werden leider immer mehr die diesen Schicksalsschlag erleiden müssen. Vom BVEK wurde dieses Konzept aufgegriffen. Auch dort gibt es nun ein Forum für trauernde Eltern. Zudem gibt es die Möglichkeit online an den Gruppentreffen teilzunehmen.
Unsere Kinder könnten bei einer menschlicheren Drogenpolitik alle noch leben. Es muss sich was verändern, dass nicht noch mehr Menschen so sinnlos ihr Leben lassen müssen.
Von den verantwortlichen in der Politik hören wir nur Lippenbekenntnisse, Zusagen für mehr Prävention, aber es passiert genau das Gegenteil. In der Suchthilfe wird gekürzt und eingespart. Therapieplätze sind rar und die Wartezeit auf einen Platz erleben manche nicht mehr. Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, Ahlhorn, spezialisiert auf jugendliche Suchtkranke mit Doppeldiagnose fällt dem Rotstift zum Opfer. Gerade weil die konsumierenden Jugendlichen immer jünger werden sind diese Therapieplätze unverzichtbar. Hier wird am falschen Platz gespart.
Unsere diesjährige Gedenkfeier fällt auf den Haupttag des Leutkircher Kinder- und Heimatfestes. Freud und Leid liegen so dicht beieinander. Ich werde nicht müde auf das Schicksal unserer Kinder aufmerksam zu machen.
Sie sind mitten unter uns gestorben und mitten unter uns wollen wir uns an sie erinnern.
Beate Stör, Elternselbsthilfe Allgäu-Oberschwaben Suchtgefährdeter und Suchtkranker


