Aktionsbündnis Stuttgart
„Zum 26. Mal wurde am 21.07.2026 der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende in Stuttgart begangen. Ein Tag der Sichtbarkeit für viele Menschen, die sonst unsichtbar gemacht werden. Ein Tag der Forderungen, um Menschenleben zu retten. Ein Tag der Trauer, in Gedenken an all die Menschen, die verstorben sind.
Um 12 Uhr hatten sich zur Kundgebung an der Leonhardskirche Angehörige, (ehemalige) Drogengebrauchende, Sozialarbeiter*innen und Politiker*innen versammelt. In einer Einführung blickte JES e.V. auf die letzten 25 Jahre zurück. Skandalöse Erlebnisse, die in Erinnerung geblieben sind wie die Verhaftung eines Besuchers, während des Gedenktags 2005. Aber auch Erfolge wie die Eröffnung des Drogenkonsumsraums KOMBO, für welchen viele Jahre gekämpft wurde. Oder die Pflanzung eines Gedenkbaums am Karlsplatz, der bis heute als Mahnmal steht.
Die Zeitreise durch die letzten 25 Jahre ging mit kurzen eindrücklichen Schauspielen der Wilden Bühne und Beiträgen von (ehemaligen) Sozialarbeitenden und Betroffenen weiter. Es wurde über ständige Polizeikontrollen und –Maßnahmen, Einschränkungen durch den täglichen Weg zur Substitutionspraxis und abwertenden Erfahrungen berichtet. Außerdem waren die kommunalen Kürzungen, von denen (insbesondere die niedrigschwellige) Suchthilfe betroffen ist und wodurch notwendige Angebote in Gefahr sind großes Thema. Unser Schirmherr Dr. Cabanis, ärztlicher Direktor für Suchtmedizin am Klinikum Stuttgart, schloss die Reise mit einem Blick in die Zukunft und notwendigen Anpassungen der Suchthilfe ab. Treffend griff er die zuvor von einer substituierten Person beschriebenen erlebten Einschränkungen auf und resümierte, dass durch Substitutionsbehandlungen zwar das ÜBERleben vieler Menschen gesichert wurde, aber die Weiterentwicklung zu einer Behandlung, die ein unabhängiges und Selbst bestimmtes LEBEN ermöglichen, an vielen Stellen fehlt. Leben retten ist wichtig, Lebensqualität ermöglichen ebenso.
Nach den verschiedenen Eindrücken und gemeinsamen Forderungen, wurden in der Leonhardskirche für jede verstorbene Person eine Kerze entzündet und an sie gedacht.
Eingesandt von:
Aktionsbündnis Stuttgart




