JES Dresden
Am 21. Juli 2026, zum Internationalen Gedenktag
verstorbene Drogengebrauchende, Gab es auch in Dresden wieder zwei Veranstaltungen.
Wir haben uns dieses Jahr für einen ganz besonderen Schauplatz entschieden: Die Scheune in der Dresdner Neustadt. Ein Schauplatz an dem Konsum, Armut und Obdachlosigkeit zum alltäglichen Bild gehören und dennoch von vielen Menschen nicht gesehen wird. Mit dieser Atmosphäre genau die richtige Kulisse für einen Tag zwischen Trauer, Austausch und dem Sichtbar machen politischer Missstände.
Unser Stand war bestückt mit Infomaterialien, Safer-Use-Utensilien und verschiedene Giveaways, die immer wieder für den ersten Blickkontakt gesorgt haben. Um den Erstkontakt nochmal interessanter zu gestalten, hatten wir in diesem Jahr einen kleinen, aber wirkungsvoller Türöffner: kleine Tütchen mit Glitzerpulver, in denen sich unsere Visitenkarten befanden, die wir an vorbeikommende Menschen verteilt haben. Ein simples Giveaway, das den ersten Schritt aufeinander zu leicht macht, was gerade bei Menschen mit Konsumerfahrung das Eis schnell brechen lies. Aus einem kurzen Schmunzeln von „Was ist das denn?“ entstanden so manche gute, ehrliche Gespräch.
Das Interesse am Stand war groß. Viele Menschen sind stehengeblieben, haben nachgefragt, sich für unsere Arbeit interessiert. Und wie jedes Jahr waren auch einige dabei, die uns ihre eigene Geschichte anvertraut haben – eigene Verluste, eigene Kämpfe. Gerade für diejenigen, die in ihrem Umfeld auf wenig offene Ohren und Verständnis stoßen, eine dankbare Gelegenheit. Für diese Menschen waren wir da, haben zugehört und auch ganz konkret unsere Unterstützung angeboten.
Ein fester Bestandteil des Nachmittags war unsere Bastelstation: Aus Papier gefaltete Schmetterlinge, auf die die Namen verstorbener drogengebrauchender Menschen geschrieben werden konnten. Eine stille, aber sehr eindrückliche Form des Erinnerns, die vielen Interessierten sichtlich nahegegangen ist – und die dem Tag jenseits aller Öffentlichkeitsarbeit seinen eigentlichen Kern zurückgegeben hat: Das Gedenken an die, die wir verloren haben.
Musikalisch begleitet wurde die Aktion von einem Gitarristen, der live gespielt und gesungen hat. Die Musik hat den Nachmittag getragen und genau die Stimmung unterstrichen, die so ein Gedenktag braucht – zwar nachdenklich, aber nicht schwer, gemeinschaftlich statt einsam und zu erkennen, dass man trotz seiner Geschichte ein liebenswerter Mensch ist.
Zum Abschluss haben wir – wie es zum Gedenktag gehört – unsere drogenpolitischen Forderungen verlesen. Sie erinnern jedes Jahr aufs Neue daran, dass Trauer und politischer Anspruch für uns zusammengehören: Der Gedenktag ist kein rein rückblickender Moment, sondern auch ein Anlass, laut zu sagen, was sich ändern muss, damit weniger Namen auf Papierschmetterlinge geschrieben werden müssen.
Dresden hat gezeigt, wie viel ein offener, einladender Stand mitten in der Stadt bewegen kann: Begegnungen, Gespräche, Erinnerung und Haltung.
LG Anna
Eingesandt von:
JES Dresden


