Arztmobil-Gelsenkirchen
„Nur noch ein letztes Mal …“
Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen · Gelsenkirchen ·
Gedenken, Sichtbarkeit und die schwierige Frage des Aufhörens
Am 21. Juli, dem Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen, wurde auf dem Heinrich-König-Platz in Gelsenkirchen den Menschen gedacht, die durch ihren Drogenkonsum verstorben sind. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand eine Perspektive, die im öffentlichen Bild von Drogengebrauch häufig wenig sichtbar ist: Menschen, die ihren Konsum reduzieren oder ganz aufhören möchten – und dennoch immer wieder mit dem quälenden Drang nach dem nächsten Konsum konfrontiert sind.
„Nur noch ein letztes Mal … – unauffällig. alltäglich. menschlich. Vom
Aufhören und dem quälenden Drang wieder anzufangen.“
Mit einer eigens gestalteten Installation wurde dieser Ambivalenz Raum gegeben. Zahlreiche schwarze Latten lagen auf dem Platz und standen symbolisch für verstorbene Drogengebraucher*innen. Auf den Latten waren Gedanken und Aussagen von betroffenen Menschen zu lesen, die mit ihrem Konsum kämpfen und das Aufhören als einen schwierigen, oftmals widersprüchlichen Prozess erleben. Der Wunsch nach Veränderung trifft dabei auf Suchtdruck, Gewohnheiten und die Sehnsucht nach dem nächsten Konsum. Unsichtbare und alltägliche Lebensgeschichten sichtbar machen Die Installation machte deutlich, dass problematischer Drogenkonsum nicht immer offensichtlich ist.
Viele Menschen sind im Alltag kaum als Drogengebraucher*innen erkennbar. Hinter einer Abhängigkeit stehen Menschen mit Beziehungen, Hoffnungen, Ängsten und ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. „Unauffällig. alltäglich. menschlich.“ war deshalb nicht nur Teil des Titels, sondern eine zentrale Botschaft der Veranstaltung.
Im Zentrum der Installation stand ein großer Baum aus Holz. An seinen Ästen konnten Namen und Erinnerungen angebracht werden. Er symbolisierte das Leben der Verstorbenen, ihre Geschichten und die Spuren, die sie bei anderen Menschen hinterlassen haben. Blumen, Kerzen und persönliche Botschaften ergänzten die Installation und machten den Heinrich-König-Platz für einige Stunden zu einem Ort des gemeinsamen Erinnerns.
Gedenken und Begegnung
Die Veranstaltung bot Raum für Trauer, Erinnerung und Austausch. Musik begleitete das Gedenken; gleichzeitig gab es Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. So entstand eine Atmosphäre, die neben der Trauer auch Gemeinschaft und Begegnung ermöglichte.
Der Blick auf die Menschen, die weiterleben
Der 21. Juli erinnert an Menschen, die fehlen und um die getrauert wird. Gleichzeitig richtete die diesjährige Veranstaltung den Blick auf diejenigen, die weiterleben und versuchen aufzuhören. Sie machte die Ambivalenz sichtbar, die eine Abhängigkeit begleiten kann, und die Kraft, die es braucht, immer wieder einen neuen Versuch zu wagen.
„Nur noch ein letztes Mal …“ – ein Satz, der zunächst unscheinbar klingt und doch für viele Menschen einen schmerzhaften Kreislauf beschreibt. Die Installation gab diesen Gedanken Raum und machte deutlich: Abhängigkeit ist nicht einfach eine Frage von Willenskraft. Sie ist komplex, individuell und menschlich.
Fazit
Der Gedenktag bleibt damit nicht nur ein Tag des Erinnerns an die Verstorbenen, sondern auch ein Tag, an dem sichtbar wird, warum niedrigschwellige, akzeptierende und menschliche Drogenhilfe so
wichtig ist. Denn hinter jedem Namen steht ein Mensch. Und hinter jedem Menschen, der heute noch versucht aufzuhören, steht die Hoffnung auf ein anderes Morgen. Text als pdf
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