Aktionsbündnis Jena

Manchmal erzählen Zahlen nur einen kleinen Teil der Geschichte. 77 Menschen sind im Jahr 2025 in Thüringen infolge des Konsums illegalisierter Drogen gestorben. Hinter jeder dieser Zahlen verbirgt sich jedoch weit mehr als eine Statistik: ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Träumen, Beziehungen und Menschen, die zurückbleiben und mit dem Verlust leben müssen.
Der bundesweite Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli erinnert jedes Jahr an diese Menschen. Gleichzeitig macht er auf die Lebensrealität von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung aufmerksam. Denn der Tag soll nicht nur zum Erinnern anregen, sondern auch dazu, genauer hinzusehen: Vorurteile abzubauen, über Hilfsangebote zu informieren und Maßnahmen zu stärken, die Leben schützen können.
Unter dem diesjährigen Motto „Verändern, um Leben zu retten“ fand auf dem Holzmarkt ein Aktions- und Informationsstand statt. Sozialarbeitern verschiedener Einrichtungen der Stadt Jena, vom Kontaktcafé der Hilfe zur Selbsthilfe – Begegnung Jena e.V., der Suchtberatungsstelle der SiT gGmbH, dem Sozialpsychiatrischen Dienst und Streetwork Lobeda und Winzerla der Stadtverwaltung Jena, Streetwork Stadt Mitte von Drudel 11 e.V. und dem Fanprojekt Jena, der AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen e.V., Beratungsstelle Jena, sowie der IKOS – Beratungszentrum für Selbsthilfe und dem Projekt clean4us Jena kamen mit Betroffenen, Angehörigen und interessierten Bürgern ins Gespräch. Zwischen Informationsmaterial, Beratung und einer gemütlichen Sitzecke mit Sofas entstand ein Ort, an dem Austausch möglich war. Offen, respektvoll und ohne Berührungsängste. Manchmal beginnt Hilfe genauso: mit einem Gespräch und dem Gefühl, gehört zu werden.
Neben Informationen über Unterstützungs- und Beratungsangebote wurden auch umliegende Apotheken kontaktiert, um auf das Thema aufmerksam zu machen und den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren zu fördern.
Für die Veranstalter ist klar: Menschen mit einer Suchterkrankung brauchen keine einfachen Antworten, sondern passende Unterstützung. Ihre Lebenssituationen sind so unterschiedlich wie ihre Geschichten. Deshalb braucht es vielfältige Angebote, die Menschen dort erreichen, wo sie gerade stehen, unabhängig davon, ob sie bereits Hilfe suchen oder erst langsam Vertrauen fassen.
Besonders aufmerksam verfolgen Fachkräfte derzeit die zunehmende Verbreitung synthetischer Opioide. Sie erhöhen das Risiko schwerer oder tödlicher Überdosierungen erheblich. Um Leben zu retten, braucht es deshalb konkrete Maßnahmen: Schnelltests zur Erkennung synthetischer Opioide, einen einfachen Zugang zu Naloxon als lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahme bei Opioidüberdosierungen, gut erreichbare Angebote der Opioidsubstitution sowie verständliche Informationen zu Safer Use und weiteren Angeboten der Schadensminderung, beispielsweise durch den sogenannten ‚Safomaten‘ (Präventionsautomat).
Der Gedenktag macht jedes Jahr deutlich, dass jeder vermeidbare drogenbedingte Todesfall einer zu viel ist.

Eingesandt von:

Aktionsbündnis Jena